De Messpoahl

Nein, hier wird keine Messe gelesen und auch kein Aal serviert.... obwohl mit einem gewissen Segen ist auch dieser Platz verbunden. Und er wurde gern hinter einer Mauer mit Torbogen, Durchfahrt und dichter Tür verborgen, denn er gab Auskunft darüber, wie denn die Wirtschaft auf einem Bauernhof lief. Den meisten Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fuhrwerk über den Hof kamen, denn hier lief die Straße von Verl nach Brackwede direkt über den Hof, wussten wohl, wie es um die Wirtschaft bestellt war; ein guter wie auch ein schlechter Zustand ist aber nicht nur von der Kunst des Bauern, sondern vor allem von der Witterung abhängig. Und der Aalekump ist das Auffangbecken für alle flüssigen Hinterlassenschaften von Tier und Mensch. Auch da hat es der Bauer verstanden, den Düngegehalt möglichst hoch zu erhalten, indem die Flüssigkeiten in einer abgedeckten Grube gesammelt wurden. Regen sollte dort nicht hineinlaufen, denn der Aalekummp wurde mühsam mit der Hand, mit einem Eimer mit einem langen, wohl gern 2 Meter langen Stiehl daran, einzeln jeweils in das Aalefatt, ausgeleert. Ein Aalekummp ist unter dem Schweinestall eingebaut aber die Werkzeuge und das Aalefatt sind nicht mehr vorhanden.

  

Das bedeutet, das bei guter Ernte mehr Vieh gefüttert werden konnte als bei einer schlechten. Und eine direkte Auskunft darüber, wie es mit der Wirtschaft bestellt ist, gibt der Messpoahl, der Misthaufen. Sein Vorhandensein war existentiell, denn Kunstdünger war eine Erfindung der Neuzeit. Also waren nur die Exkremente der Bewohner vorhanden, schön getrennt in den Aalekummp und den Messpoahl. In dem einen sammelte man das Flüssige und brachte es mit dem Aalewagen aus, das andere war der Festmist, der im Winter während der Stallhaltung anfiel. Nun war auch das Stroh sehr kostbar und kein Wegwerfartikel, der mengenweise unter das Vieh geworfen wurde; nein das Stroh war kostbar und wurde ja auch als Futter z.B. als Hakkelsch für die Pferde, dann war es Haferstroh oder als Beifutter für das Rindvieh, dann war es Roggen- oder Weizenstroh. wobei das Roggenstroh natürlich auch als natürlicher Baustoff für die Dacheindeckung diente. Allein das Gerstenstroh wurde seiner Grannen wegen nur als Einstreu genutzt, denn es wird nur im Notfall gefressen.

   

Auf dem Weg durch das Tier verändert sich das Stroh und kann unter dem Vieh heraus mit der Forke auf eine Schiebkarre geladen und hinaus auf den Messpoahl gebracht werden. Aber bitte nicht unterstellen, das täglich überall neues Stroh eingestreut wurde, unter den Kühen die täglich zweimal gemolken wurden schon, aber sonst wurde unter dem Rindvieh nur das feuchteste weggekratzt und wieder übergestreut. Die Schweine mistete man, weil es eine körperlich schwere Arbeit war, auch nur einmal in der Woche. Die Pferde, und wenn Sie alte Hofstellen besuchen können Sie darauf achten, hatten ihre Ställe nie in der Nähe vom Misthaufen, da sie auf die Ammoniakdämpfe aus dem Mist sehr empfindlich reagieren. Die Pferdeboxen waren sogenannte Tiefställe, die man nur einmal im Jahr gänzlich ausräumte und sonst nur abäpfelte und wieder etwas Stroh darüber gab.

   

 Wie voll oder leer nun der Messpoahl war, zeigte es doch direkt, wie es um die Wirtschaft auf dem Hofe stand. Also eine Mauer gezogen, eine Tür darein die nur geöffnet wurde, wenn der Mist auf den Acker ausgebracht wurde. Ein kundiges Auge konnte aber auch dann sehen, ob der Stellwagen schon mehrfach aus der Miste gefahren war. Und wenn wegen schlechter Ernte nun Stroh knapp war? Nein, auch das sollte Niemand sehen, wenn aus dem Wald Streu geholt und unter das Vieh gebracht werden musste. Je weniger Stroh also in der Miste war, desto schlechter war die Ernte des vergangenen Jahres.

   

Aber auch die Schafe dünkten in ihren Stall. Nur wurde bei den Schafen immer nachgestreut damit es trocken blieb und der Schafstall nur einmal im Jahr ausgemistet, also wie die Pferdeboxen, der Mist dann direkt auf den Acker gefahren. Und dann war der Mist der Segen, den der Bauer auf sein Land bringen konnte.