De Luuk

Wat dat nu wier?? Verlassen wir das „platt“, nur die Wenigsten können sich damit noch verständigen; eigentlich ein Grund mehr, es auf dem Hof am Leben zu erhalten.

 

Zurück zur Luuk. Hier ist die Lücke gemeint, die der Zimmermann beim Aufrichten des Hauses in der Deelendecke vorsah. Hier war das Deckengefache für ein großes Loch erweitert. Nicht der Ansicht wegen, sondern weil durch diese Lücke die Ernte eingebracht wurde.

 

tl_files/fM_k0007/Ditundat/De Luuk.jpg

 

Ernte war noch vor 60 oder 70 Jahren eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. Das Getreide wurde in fast reifem Zustand mit der Sense, bei wenigen Bauern mit einem von Pferden gezogenen Mähbinder geerntet. Bei Mahd mit der Sense wurde immer ein Arm voll Mahd von einer Magd mit der Hand aufgenommen, mit einer Hand voll Halmen, die zu einem schwachen Seil gedreht waren, zusammengebunden und diese Garben dann zu Hocken zusammengestellt, damit sie weiter trockneten. Dabei dachte man zuerst an die Stängel, die zur Einlagerung trocken sein mußten; nasses Mähgut hat nicht wenigen Bauernhäusern den „roten Hahn“ auf das Dach gebracht; das Haus brannte ab.

 

Diese Hocken wurde zu mindestens 3, besser zu 7 oder 12 Garben zusammengestellt und, man bedenke auch hier, täglich von Hand gewendet, bedeutet, das Innere, wo die Luft nicht hin reichte, wurde nach außen gekehrt, damit es auch trocknen konnte. Die Zahlen sind mir alt überliefert und haben etwas mit Aberglauben aber auch mit den „heiligen“ Zahlen zu tun. Knisterten die Garben, konnten sie auf den Stellwagen verladen und eingefahren werden. Es wurde also Garbe für Garbe zuunterst im Wagen mit der Hand, dann aufsteigend mit der 2- oder 3- zinkigen Forke auf das wachsende Fuder geladen. Dieses zu stapeln war eine besondere Kunst, wollte man doch erstens ein großes Fuder haben, das die Pferde gerade noch bewegen konnten, zum anderen waren die Landwege allgemein nicht gepflegt und voller Schlaglöcher. Gitter oder ähnliches gab es nicht, die Ladung wurde von oben mit einem längs aufgelegten Ladebaum belastet und dieser vorne und hinten am Fuder über Kreuz angebunden, damit die Ladung auch auf dem Wagen bleibt. Auch mußte auf die Höhe des Deelentores geachtet werden, denn da sollte das Fuder ja durch.

 

Die Pferde zogen das Fuder auf der Deele unter die Luuk, wurden dann ausgespannt und herausgeführt, um mit dem nächsten Stellwagen zum Acker zu fahren.

 

Nun ging für die Knechte und Mägde die Arbeit weiter; mit der Forke wurden die Garben einzeln durch die Luuk nach oben gegeben und die Garben je nach Getreideart getrennt ins Fach gestapelt: nun war die Ernte unter Dach. So ging es mit allen Getreidearten, die man anbaute und in der Reihenfolge der Reife nacheinander mähte, trocknete und auf den Boden barg. Mann sagt deshalb auch, das Korn, die Ernte ist geborgen.

 

Doch die Arbeit ist noch nicht zuende. Korn und Stroh müssen voneinander getrennt werden; sie sind ja zusammen ins Fach gebracht worden. Auch sind im geborgenen Getreide gern die Mäuse unterwegs, die Hofkatzen hatten Hochsaison. Aber war nach dem Heu im Frühjahr und Sommer dann das Korn unter Dach, die Rüben in der Miete und die Kartoffeln und Möhren usw. im Keller, war Erntedank, dann ruhte die Arbeit außer der Viehversorgung.

 

Dann aber wurde gedroschen. Wirklich mit dem Dreschflegel das Stroh verhauen, eben gedroschen und durch diese heftige Bearbeitung die Körner aus der Ähre gelöst. Diese wurden zusammengefegt mit Allem was sonst noch vom Stroh und der Ähre abgebrochen war und mit dem Wind draußen auf dem Hof gereinigt. Die Windsichte hat bei dem Aufbau des Hauses vielleicht schon ihren Platz gefunden; dann mußte nur noch eine Kurbel gedreht werden um Wind zu erzeugen und Korn und Spreu wurden getrennt. Das Korn kam in Säcke aus ursprünglich Leinen, später aus Kostengründen aus Jute, und wurde mit diesen auf den Kornboden getragen, ein Gersten-,Hafer- oder Roggensack zu je 50 kg, wo Weizen angebaut werden konnte, wurden immer 100kg in einen Sack getan, da Weizen das schwerste der bei uns angebauten Getreideartenist,wo die Säcke ausgeleehrt und das Korn zur weiteren Trocknung mehrfach umgeschaufelt wurde.

 

Dies ist die eine Seite der Betrachtung über die Luuk. Es gibt aber noch eine weitere, soziokulturelle Seite dieser Öffnung in der Decke. Diese Decke über der Deele war für das Leben auf dem Hof sehr wichtig, wurde doch in einem solch großen Haus auch geboren und gestorben. Der Tod eines Tieres war ein schwerer materieller Verlust, den mußte man wieder herauswirtschaften. Ein Totes Tier wurde aber nie durch das Deelentor aus dem Hause gebracht, sondern immer durch die hinter den Tieren befindlichen Türen, die zur Miste, dem Messpoahl, führten. Auch wurde auf der Deele nie ein Tier geschlachtet, sondern immer vor dem Deelentor und das Fleisch und die benötigten Innereien, Därme usw. nachdem sie gewaschen waren, immer durch die Seitentür zum Flett hereingetragen.

 

Aber die Luuk war der Fluchtpunkt für die Seele Verstorbener, die unter der geöffneten Luuk 3 Tage aufgebahrt wurden, damit ihre Seele aus dem Haus entkommen konnte.

 

Wurde aber im Hause ein Kind geboren, so wurde es, wenn die Verwandten und Nachbarn zum „Kindsbier“ und „Kindskiek“ zusammen gekommen waren, unter die geschlossenen Luuk gestellt, damit seine Seele im Hause heimisch werden konnte.